Der Selbstbau von Weichen und speziellen, den jeweiligen Gegebenheiten der Modellbahn angepassten Gleisverbindungen, ist gar nicht so schwer wie man vielleicht vermuten mag. Ein wenig Übung und Geschick im Umgang mit Säge, Feile und Lötkolben sollte allerdings schon vorhanden sein, um in kurzer Zeit zu einem respektablen Ergebnis zu gelangen. Das Ergebnis ist eine vorbildgetreue Weiche, die es in dieser Form nirgends zu kaufen gibt, aber wie jedes Industieprodukt verarbeitet werden kann. Die zum Bau notwendigen Schritte sollen nachfolgend am Beispiel einer Weiche der in Krautheim vermessenen Schwellenlage unter Verwendung mit Code55 Schienen von Schmalspurbedarf Tümmler und einer Neigung des Herzstückes von 1:7 gezeigt und erläutert werden.
Es werden zu Bau von Weichen keine Werkzeuge oder Maschinen benötigt, die nicht auch sonst im Modellbau Verwendung
finden. Im Einzelnen sind dies:
Nicht unbedingt nötig aber hilfreich sind: An Material wird benötigt:
Werkzeug und Material
Als Grundlage für den Bau von Weichen wird eine Zeichnung der benötigten Weiche im Maßstab 1:87 benötigt, aus der
die genaue Lage der Schwellen und deren Abmessungen sowie die Schienenlage (z.B. Herzstückspitze, Lage und Länge
der Leitschienen usw.) hervorgeht. Für H0e ist dies besonderes einfach da im „Modellbauhandbuch für Schmalspurbahnen
der Baugröße H0e“ fertige Gleis- und Weichenzeichnungen in 1:87 enthalten sind. Dies kann als *.pdf file unter
www.h0e-online.de gratis heuntergeladen werden. Unter „Vorlage –V4-“ findet sich die gewünschte Lenz-Weiche. Es
ist vor dem Bau auch wichtig zu Wissen, für welche Radsatznorm die Weiche ausgelegt werden soll, da RP25- Radsätze
in die Herzstücklücken der Weichen fallen, die für NEM- Radsätze ausgelegt sind und für H0e-pur die Spurweite 8,6mm
beträgt. Ebenso spielt das verwendete Radsatzinnenmaß eine große Rolle für die Abstände der Zwangs- und Leitschienen.
Ein zu großer Abstand kann hier später zu Entgleisungen führen. Ist man sich über alle diese Detailprobleme im klaren,
kann mit den Bau begonnen werden. Da zum Bau einer Weiche jeweils eine Zeichnung benötigt wird, die nach dem
Fertigstellen des Modells verloren ist, wird also für jede Weiche eine Kopie/Ausdruck benötigt. Außerdem kann mit
den Kopien der Gleisplan vorher 1:1 gelegt werden, und ermöglicht so erste Stellproben mit Fahrzeugen und Gebäuden,
bevor die Weichen und Gleisverbindungen gebaut werden. Diese Zeichnungen werden zum Bau der Weichen mit wenig Weißleim
auf eine Unterlage aus 2mm Plastikplatte geklebt.
Im Original bestanden die Schwellen aus imprägniertem Kiefernholz bzw. aus unbehandeltem Eichenholz. Im Modell werden
die Schwellen, anders als beim Streckengleis, nur aus Leiterplattenmaterial gefertigt, weisen also eine glatte
Oberfläche auf, die später durch das Lot und das notwendige Durchtrennen der Cu-Schicht etwas an Struktur gewinnen.
Andrerseits sind die mit Oel oder Teer imprägnierten Kieferschwellen des Originals an der Oberfläche sehr eben,
welches uns beim Nachbau sehr gelegen kommt. Diese Modellschwellen werden aus einer relativ großen, einseitig
beschichteten Leiterplatte herausgesägt, indem man zuerst die Platte in lange Streifen von 2,0~2,3mm Breite sägt
(Breite der Originalschwellen = 170~200mm). Dies lässt sich mit der Hand- oder einer Laubsäge, besser jedoch mit
einer elektrischen Dekopier- oder Kreissäge und einem Anschlag bewerkstelligen.
Die benötigte Länge der Schwelle wird auf einem Leiterplattenstreifen mit einem Bleistift angezeichnet und mit Hilfe
eines Seitenschneiders abgezwickt. Baut man mehrere Weichen gleichzeitig geht es schneller auch hier eine elektrische
Säge mit Anschlag zu verwenden. Genauer ist das allemal.
Die so gewonnenen Schwellen werden mit Weißleim an der
vorgesehenen Stelle auf die Zeichnung mit der kupferkaschierten Seite nach oben aufgeklebt. Wenn alle Schwellen
aufgeklebt sind, und der Weißleim getrocknet ist wird die obenliegende Kupferschicht mit einem Polierblock
(ROCO- Rubber) gereinigt. Eine einzige Weiche der Jagsttalbahn lag auf Stahlschwellen. Das diese in Widdern lag wurde
auch dieses Detail berücksichtigt und der Herstellung der dafür notwendigen
Stahlschwellen
eine eigene Seite gewidmet.
Das herzstückbildende Schienenstück des abzweigenden Gleises wird auf einer Länge von 10mm spitz zulaufend abgefeilt
oder geschliffen. Dies geht von Hand am einfachsten, wenn man ein ca. 5mm dickes Holzbrett mit einer Rille für den
Schienenfuß in einen Schraubstock eingespannt, in das die Schiene gelegt wird. Der Schienenabschnitt wird mit der
linken Hand gehalten und mit der rechten Hand befeilt. Ein Festspannen der Schienen empfiehlt sich nicht, da sich
die feinen Schienenprofile leicht zum Verformen neigen, was nachträglich nicht oder nur sehr schwer zu reparieren ist. Noch
einfacher lassen sich die Schienenabschnitte mit einem in den Bohrzwerg eingespanntem Gummiteller mit aufgeklebtem
Schleifrondellen bearbeiten. Nach dem Entgraten wird die Schiene auf dem Schwellenband ausgerichtet und, an einem Punkt der
Außenseite der Schiene, mit Hilfe von Lötfett oder Lötpaste auf einer Schwelle verlötet. Jetzt kann die Lage des Schienenstückes
kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden. Stimmt die Lage wird die Schiene an allen anderen Schwellen
ebenfalls verlötet. Genauso wird mit dem Schienenstück des gerade durchgehenden Gleises verfahren. Sind beide
Schienenstücke auf den Schwellen und miteinander festverlötet kann das überschüssige Lötzinn vorsichtig abgefeilt,
oder mit der Minidrill und einem Poliergummi abgetragen werden.
Die Backenschienen werden auf das Schwellenband gelegt, und mit einem Übermaß von ca. 10mm abgekniffen oder abgesägt.
Die Enden der Schienen werden plangefeilt. Durch erneutes Auflegen auf das Schwellenband wird die Schiene des
abzweigenden Gleises in ihre endgültige Form vorgebogen. Aus der Lage der Stellschwelle erkennt man, wo der Fuß der
Backenschienen eingefeilt werden muss, um ein sicheres Anliegen der Stellzungen zu gewährleisten.
Nach dem Ausfeilen
der Backenschienen werden diese nacheinander auf das Schwellenband gelötet. Die genaue Lage geht aus der Lage der
Stellschwelle, sowie der Einfeilung an der Schiene hervor. Mit dem Verlöten beginnt man vorzugsweise mit der geraden
Backenschiene, und zwar am Ende der dazugehörigen Herzstückschiene. Mit einem Messschieber oder einer Gleisklammer
wird die Spurweite zwischen den beiden Schienen eingestellt, und die Backenschiene auf eine Schwelle gelötet.
Hiernach werden die Parallelität und die Spurweite überprüft. Stimmt Beides wird die Backenschiene auf der jeweils
fünften Schwelle festgelötet. Dies erleichtert später gegebenenfalls die Korrektur der Schienenlage erheblich. Nach
der Korrektur der Backenschiene wird sie auf die übrigen Schwellen gelötet. Bei der zweiten Backenschiene wird
genauso verfahren. Wichtig dabei ist die ständige Kontrolle der Spurweite.
Die Flügelschienen werden abgelängt und mit der Flachzange vorgebogen. Auf das Schwellenband aufgelegt wird mit dem
Messschieber die Spurweite und der Abstand zum Herzstück kontrolliert. Der Winkel des Schienenstückes wird solange
mit der Zange verändert bis beide Maße stimmen. Anschließend werden die Flügelschienen aufgelötet. Diese Arbeiten
erfordern die größte Sorgfalt beim Bau der Weiche.
Die Weichenzungen werden zuerst auf Länge gesägt und ihrer späteren Lage entsprechend vorgebogen. Die auf einer
Länge von 25mm spitz zulaufenden Enden werden wie die Schienenstücke für das Herzstück bearbeitet. Die an die
Flügelschienen stoßenden Enden der Stellzungen dürfen diese nicht berühren, da hier ein elektrischer Kontakt
zu späteren Kurzschlüssen führen würde. Aus diesem Grund dürfen die Stellzungen nicht auf derselben Schwelle
mit den Flügelschienen aufgelötet werden.
Die Weichenzungen werden an den Backenschienen anliegend, auf den
letzten drei bis vier Schwellen vor den Flügelschienen aufgelötet. Bei allen diesen Arbeiten ist die Spurweite
ständig zu überprüfen. Gehen Sie dabei sehr selbstkritisch vor, denn gerade bei den später beweglichen Stellzungen
zählt jedes Zehntel. Ein einfaches "Waggon drüberschieben und sehen ob's klappt" reicht auf keinen Fall.
Die Stellschwelle ist, wie alle anderen Schwellen, ebenfalls aus Pertinax. Sie ist mit 20mm etwas länger und wurde
in der Mitte mit einem 1,2mm Loch versehen, in das später der Stelldraht des Weichenantriebs gesteckt wird.
Zwischen
die Backenschiene und die Weichenzungen werden Pertinaxreste geschoben bis sich an der noch anzulötenden Stellschwelle
ein Abstand von jeweils 0,6mm einstellt. Die Stellschwelle wird an die Weichenzungen gelötet. Nachdem die
Pertinaxreste entfernt sind sollte sich die Stellschwelle ohne großen Kraftaufwand in beide Endlagen schieben
lassen.
Eine so gefertigte Stellschwelle ist zwar funktionell, aber nicht besonders vorbildgetreu. Auch andere Lösungen für
die Stellschwelle lassen sich verwirklichen.
Im gezeigten Beispiel sind nur schmale Pertinalstreifen mit einem 0,5mm
Bohrer längs durchbohrt worden und mittels eines 0,5mm Messingdrahtes verbunden. Dies hat den Vorteil das die Zungen
unten durch den Pertinaxstereifen geführt werden, zwischen den Zungen aber nur der Stelldraht sichtbar ist. Bei
Verwendung einer dünneren, beidseitig Cu-kaschierten Pertinaxplatte ist das Bohren überflüssig, hier kann der Draht
an die Unterseite gelötet werden ohne einen Kurzschluß zu verursachen. Auch richtige Gelenke aus Draht sind möglich,
deren Bau erfordert aber mehr Aufwand als der Bau der restlichen Weiche.
Sollten die Weichenzungen nicht so anliegen wie sie es vor dem Anlöten der Stellschwelle getan haben liegt dies
wahrscheinlich daran, das Lot unter der Schiene durchgeflossen ist und nun vorsichtig mit einer kleinen Feile oder
einem Laubsägenblattrest entfernt werden muss.
Die Stellschwelle ist natürlich einfach zu realisieren und funktioniert, dennoch ist sie nicht sonderlich dem
Vorbild entsprechen. Mit etwas mehr Auwand lassen sich aus unter die Weichenzunge gelöteten Blechstreifen Gelenke
herstellen die mit einer Niete in eine
Stellstange
aus Messing oder Kohlenstoffstab greifen. Dieser Bauweise ist ein
eigener kurzen Baubericht gewidmet. Auch dem anschließenden Anbau eines funktionsfähigen
Stellhebel
ist eine eigene Seite gewidmet, auch dieses Detail ist nicht an allen Weichen der Jagsttalbahn umgesetzt.
Parallel zu den Flügelschienen werden an den Backenschienen gleichlange Radlenker mit einem Abstand von 1mm
aufgelötet. Die Enden der Radlenker sind etwas nach innen gebogen.
Jetzt wird die Kupferschicht der Schwellen zwischen den Profilen aufgetrennt, um sie elektrisch voneinander zu
isolieren, wie in der Zeichnung dargestellt.
Dies geht mit einer Minidrill und einem Polierkörper sehr schnell. Werden die Trennungen nach wie im Bild
ausgeführt, sind für den Anschluss der Weiche nur drei Kabel notwendig und zwar je eines für die linke und rechte
Backenschiene, die auch die Weichenzungen mitversorgen, und ein Kabel für das Herzstück.
Die mit dem Poliergummi aufgetrennten Schellen haben nun eine ca. 35µm tiefe Delle in der Mitte, aber keine
sichtbaren Schnitte wie dies bei der Verwendung einer Trennscheibe der Fall wäre.
Die immer noch unter der Weiche klebende
Zeichnung lässt sich leicht ablösen, indem man die Weiche in ein Becken mit warmen Seifenwasser legt und wartet
bis sich nach einiger Zeit der Weißleim und das Papier auflöst. Hierbei werden auch der Scheifstaub vonm Trennen
und die agressiven Flußmittelreste entfernt. Man erhält hiernach eine saubere, einbaufertige Weiche.
Nachdem die Weiche in ihrer Funktion überprüft wurde können die Löcher für die
Schienenägel
gebohrt werden. Dies
lässt sich am einfachsten mit einer Kleinbohrmaschine bewerkstelligen. Je nach Profilhöhe, Spurkranzhöhe und
Schienenägel können diese Löcher nur außen oder an beiden Seiten des Schienenprofils gebohrt sein. Für kleinere
Maßstäbe als H0 können die Schienenägel auch fortgelassen werden, da sie ohnehin nicht stark in Erscheinung treten.
Die Schienenägel werden allerdings erst dann eingesteckt, wenn die Weiche auf ihrem endgültigen Platz mit einer
Unterlage aus Kork, Styrodur oder Moosgummi aufgeklebt ist. Als letztes wird das komplette Gleis mit Farbe gespitzt
oder gepinselt und wie jedes industriell gefertigte Gleis eingeschottert.
Ein Vergleich sein am Ende noch mit einem Industrieprodukt erlaubt. Die Fima PECO bietet für die Baugröße N eine
Weiche an, die sich von der Gleisgeometrie so gut wie nicht von unseren Selbstbauweichen mit Herzstückneigung 1:7
unterscheidet. Das Schienenprofil ist ebenfalls in Code 55 ausgeführt. Allein das Schwellenband passt nicht zu H0e.
Dies wäre noch zu ändern und so ein modernes, vorbildliches H0e Gleis am Markt.
Die Schwellen
Das Herzstück
Die Backenschienen
Die Flügelschienen
Die Weichenzungen
Die Stellschwelle
Stellstange mit Gelenk
Die Radlenker
Die Elektrik
Das Reinigen der Weiche
Die Schienennägel
Vergleich Eigenbauweiche mit PECO N-Weiche