Der Selbstbau von Schienennägeln aus Tackerklammern entstand aus der Not heraus...
Die meisten guten Ideen werden aus der Not geboren. So entsprang auch diese Stefan Zickenrott, als er für sein erstes Modul mit Selbstbaugleis dringend Schienennägel benötigte, die gerade mal wieder nicht lieferbar waren. Ich schickte Ihm zu Linderung der größten Not die benötigte Schienennägel. Dann nahmen die Dinge ihren Lauf.
Die Idee...
Tags darauf erhielt ich ein e-mail, die Nägel seien da zusammen mit der wohl als Gag gemeinten Frage ob sich sowas nicht auch aus Tackerklammern herstellen ließe, und ob ich nicht eine Vorrichtung dafür bauen wolle. Höhööö, Schienennägel aus Tackerklammern, Schnapsidee. Aber auf dem Schreibtisch steht zum Glück eine Tacker griffbereit. Also, gegriffen und eine Klammer herausgedrückt...leer! Mist, also die Schachtel mit den Nachfüllklammern suchen. Gefunden- auch leer! Wieso schmeiße ich sowas nicht gleich weg?? Also in’s Schreibwarengeschäft. Tackerklammern in Massen. Von jeder Größe und jedem Hersteller ein Paket a‘ 1.000 Stück gegrapscht, da wird die richtige schon bei sein. An der Kasse merke ich dann den ersten Unterschied, so eine Packung kostet zwischen 51 Pfennig und 2,49DM, wo da wohl der Unterschied ist?
Die „Vorrichtung“
Als in der Fertigungsplanung tätiger Ing. hat man die Lösung schon vor Augen:
In ein Flacheisen aus Werkzeugstahl ne‘ Nut gefräst, ein weiteres, gehärtetes Flacheisen als Schneide hinten kugelgelagert und vorne mit einem langen Griff, das soll ja nicht in körperliche Arbeit ausarten, zwei einstellbare Anschläge und dann müßten sich in windeseile tausende von Schienennägel herstellen lassen. Im Bastelkeller findet sich aber blöderweise kein Werkzeugstahl und auch keine Fräse mit der sich sowas machen ließe. Wohl aber eine Feinblechschere von fohrmann. Deren Schneide ist gerade einmal 1mm breit, das heißt wenn man den Streifen Tackerklammern außen an die Schneide drückt, steht der Haken des Schienennagels gerade mal 1mm vor, das ist zufällig genau das Maß der käuflichen Schienennägel. Juhuu, erstmal ein paar Versuche machen, die Schneidvorrichtung kann warten.
Das Fertigungsverfahren Der Streifen mit je 50 verklebten Tackerklammern wird in vier Teile mit ungefähr 12 Klammern zerlegt. Einen
solchen Teilstreifen drücke ich nun mit dem Daumen an die untere Schneide der Schere. Mit der anderen Hand schneide
ich den restlichen Teil des Streifen in Sekundenbruchteilen ab. Der so hergestellte Abschnitt läßt sich leicht in
einzelne Nägel zerlegen und diese sehen wirklich aus wie Schienennägel. Außer dem Erfinder der Tackerklammer wird
sich wohl kaum jemand mehr über diesen kleinen Drahthaken gefreut haben als ich in diesem Moment...
Schnell sind auch die anderen Teilstücke in Schienennagelstreifen verwandelt. Einen ganzen Streifen zu zerteilen
gelingt mir leider nicht auf Anhieb, die Schneide der Schere ist nicht lang genug. Aber einen halben Streifen zu
zerteilen ist wirklich nur eine Sache von wenigen Sekunden. Das geht fix, begonnen hatte ich mit den teuersten Klammern, jetzt wollte ich natürlich auch die 50 Pfennig Version
testen. Klammerstreifen festgehalten, Schnitt und der Streifen zerlegt sich in seine Bestandteile. Es ist also der
die Tackerstreifen zusammenhaltende Lack der die Preisdifferenz ausmacht. Aber lassen sich die billigen Klammern
wirklich nicht verarbeiten? Der bastlerische Ehrgeiz ist geweckt, oder ist es Spieltrieb? Egal, nachlackieren könnte
gehen. Eine Dose Mattlack ist da und in Windeseile sind die Streifen zusätzlich lackiert. Klasse, die Verdünnung im
Lack löst die Tackerklammerstreifen an, so das sie bei der kleinsten Berührung zerfallen, so geht es offensichtlich
nicht. Einen Streifen Abdecklack (Maskol von Humbrol) aufzupinseln versuche ich noch, der ist nahezu lösemittelfrei.
Dabei kommt mir die Idee einen einfachen Tesastreifen über die Klammestreifen zu kleben und so die Klammern am
auseinanderfallen zu hindern. Das geht flott und ist recht einfach. Schnell ist die Pinsellösung vergessen, eine
Schachtel voll Klammern wird mit Tesastreifen beklebt und geschnitten, problemlos. Nur das Zerbröseln der Streifen
in einzelne Nägel ist schon mühsamer. Einfacher und sauberer müßte sich das mit Verdünnung machen lassen.
Normalerweise benutze ich Azeton um mit Sekundenkleber zusammengeklebte Bauteile wieder voneinander zu trennen.
Das Azeton wird in ein leeres, sauberes Marmeladenglas gefüllt, die Schienennagelstreifen hinein und zugeschraubt.
Nach einer Einwirkzeit von ungefähr einer Minute wird das Glas heftig geschüttelt. Die meisten Nägel schwimmen jetzt
schon als Single durch’s Azetonbad. Eine Minute gebe ich den verbleibenden Klebstoffresten noch, dann ein weiteres
mal gut durchschütteln. Das Azeton wird bis zum nächsten Einsatz wieder in die Dose umgefüllt. Die im Glas
verbliebenen Schienennägel kommen auf ein Küchentuch zum Trocknen. Die trockenen Nägel werden nun direkt neben
ein paar gekaufte gelegt. In mir regt sich der Verdacht, das diese auch nicht anders entstanden sind, denn außer
dem Radius des Hakens sind Form und Maße absolut identisch, nur die selbstgefertigten sind rostfrei, die
Tackerklammern sind vollverzinkt, die „Original“ Schienennägel sind schwarz brüniert. Diesen Arbeitsgang könnte
ich auch noch machen, eine Brünierbeize hätte ich, doch wozu? Ein Gleisbett besteht aus Holz und Pertinaxschwellen
(meines jedenfalls) und muß ohnehin angemalt werden, da spielt die Farbe der Nägel keine Rolle. Die Herstellung von
2.000 Schienennägeln hat keine halbe Stunde in Anspruch genommen und an Material 0,51DM gekostet. Das soll mal einer
unterbieten. Die unterschiedlichen Größen führen zu zwei unterschiedlichen Varianten, da für die größeren Tackerklammern ein
etwas stärkerer rechteckiger Draht verwendet wird als für die kleineren. Während die großen einen Querschnitt von
0,7x0,4mm aufweisen, verfügen die kleineren über einen Querschnitt von 0,5x0,3mm. Ob sich dieser Unterschied auch
später am Gleis bemerkbar macht muß ich noch herausfinden, die kleinen Nägel passen jedoch sehr schön zu meinem
Code 40 Gleisen, welche ich in meinen Abstellgleisen verwende. Am nächsten Tag habe ich dann via e-mail erfahren das ich nicht der Einzige war, der Tackerklammern zu Schienennägel
veredelt hat. Die Fremo- Truppe im Freizeitheim Linden (Hannover) hat es mit einer Allzweckschere aus dem Baumarkt
für 5,-DM versucht. Auch hier kam man schnell zum Erfolg, obwohl die Schneide der Schere mit 1,5mm Breite ein nicht
ganz so komfortables Arbeiten zuließ.
Bildunterschriften: 1.)Alle getesteten Tackerklammern im Überblick, noch hat man die Qual der Wahl. 2.)Mehr Vorrichtung braucht kein Mensch. Mit der Feinblechschere von fohrmann un den „teuersten“
Tackerklammern ging’s ganz leicht. Dank des festeren Lack’s bleiben die Schienennägel im Streifen erhalten.
Die im Bild rechts unten zu sehenden Streifen sind der „Abfall“ aus der Mitte der Klammer. Er wird später
Verwendung als Schrott auf der Anlage finden. 3.)Das Ergebnis der Versuche: 8.000 Stück große und 6.000 Stück kleine Schienennägel. Genug für eine
ganze Menge Module, und finanzielle und zeitliche Aufwand ist verschwindent gering. 4.)Das selbe Motiv wie 3.), nur mit anderem (ruhigeren) Hintergrund. 5.)Die Herstellung: Tackerstreifen mit der linken Daumen an die linke Schneide drücken und mit der rechten
Hand schneiden. Das war’s. Dank der 1mm breiten Schneide der Schere ist kein weitere Kunstgriff nötig. 6.)Der „Nietenzähler“ vergleicht die selbst gemachten Nägel (silber, links) mit den gekauften (schwarz, rechts).
Die H0 Figur steht auf einer 1,5mm dicken Balsaholzschwelle und die Meßlatte besteht aus 0,3mm dicken Federstahldraht.
Das Gleis besteht an dieser Stelle aus Code 40 Schienen, ist also gerademal 1mm hoch. 7.)Dasselbe Motiv wie 6.), nur mit einem Pfennig (0,005 Euro) als Größenvergleich. Im Gegensatz zu John Allen’s
Bleistift ist der Pfennig echt. 8.)Angemalt mit Abtönfarbe, eingeschottert und reichlich befahren sieht man hier das Selbstbaugleis mit den
Schienennägeln im Vergleich zum Liliput O-Wagen und Ford Taunus 17m. So sollte H0e Gleis aussehen. Im vorderen
Gleis Code 55, im hinteren Gleis Code 40. 9.)Dasselbe Motiv wie 8.), jedoch in Nahaufnahme. Hier ist das Code 40 Gleis und die Schienennägel gut zu erkennen. 10.)Der „Nietenzähler“ auf freier Strecke. Dieses Streckenmodul wurde mit Code 40 Gleis ausgeführt um die
Betriebssicherheit auf verschiedenen Modultreffen zu testen. Bislang ergaben sich darauf keine Schwierigkeiten,
auch mit Fahrzeugen ohne abgedrehte Radsätze. Der Grund dafür liegt in den nur außen eingedrückten Schienennägeln.
Die Spur wird durch das Auflöten auf jede fünfte Pertinaxschwelle sichergestellt. Die Schienennägel erfüllen also nur
optische Funktion. 11.)Dasselbe Motiv wie 10.), jedoch in Nahaufnahme. Hier ist das Code 40 Gleis und die Schienennägel gut zu erkennen.
Zeichnungen: Klammer: Darstellung einer Klammer mit den beiden notwendigen Schnitten Schere1: Darstellung des Schnittes mit einer Universal Schere Schere2: Darstellung des Schnittes mit der Feinblechschere von fohrmann
Einkaufskorb: .
Goldschmiedeschere (Feinblechschere) Fohrmann, Best.Nr.: 54 707
oder Allzweckschere Baumarkt
Azeton Baumarkt
Tackerklammern 0,7x0,4mm: .
NOVUS Heftklammer verzinkt 24/8 Schreibwarenhandel, Art.-Nr. 040-0038 (mein Tip)
Milan Heftklammer verzinkt 24/6 Schreibwarenhandel, Best.-Nr 824 vz (günstig)
Herlitz 24/6 Heftklammer Supermarkt, No. 87 60 51/4
Tackerklammern 0,5x0,3mm: .
NOVUS Heftklammer verzinkt 26/6 Schreibwarenhandel, Art.-Nr. 040-0056 (mein Tip)
Herlitz No 10 Heftklammer Supermarkt, No. 87 60 61/3